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Big Bend und die Carlsbad Caverns

Etwas wehmütig verließen wir das bezaubernde San Antonio und ließen uns noch mal so richtig Zeit obwohl eine der längsten Etappen vor uns stand, die uns immer weiter in Richtung Westen trieb. Bewusst nutzten wir nicht die schnellere Interstate, sondern wählten die Landstraße und das zahlte sich auf alle Fälle aus. Auf dem Weg in die kleine Stadt Alpine, die wir als Bleibe auserkoren hatten, passierten wir unter anderem den Amistad Staudamm, der zugleich auch die Grenze zu Mexiko markiert und vom Rio Grande und dem Devils River gespeist wird. Amistad kommt aus dem Spanischen und bedeutet übrigens „Freundschaft“. Über eine Brücke quer über den aufgestauten See konnten wir das typische amerikanische Verhalten gut erkennen – mit dem eigenen Boot am See herumtuckern, fischen, Jetski fahren, campen, usw.
Die Landschaft änderte sich allmählich immer mehr vom grünen Weideland in eine karge Gegend, die zumeist mit Büschen und vielen Kakteen bestückt ist. Doch auch wenn alles noch so trostlos erscheinen mag, Mutter Natur hat immer und überall ein paar Farbkleckse in Form von Blumen und Blüten auf Kakteen übrig. Der Abend näherte sich und auf unserer Fahrt kamen wir in einen wundervollen Sonnenuntergang, weit weg von jeglicher Zivilisation. Ohne Lichtverschmutzung konnten wir der Dämmerung entgegendüsen und ließen es uns nicht nehmen, den einen oder anderen Fotostopp zu machen um diese unglaubliche Stimmung, die auf uns einwirkte, auch bildlich fest zu halten. Als die Sonne schon längst vom Horizont verschwunden war, offenbarte sich uns der Himmel in brennendem Orange, ehe dann allmählich die vollkommene Dunkelheit einbrach. Nach einstündiger Fahrt bei Nacht erreichten wir noch wohlbehalten unsere Zieldestination Alpine, wo wir unser Zimmer reserviert hatten und zufälligerweise in einem typisch amerikanischen Diner unser Abendessen genießen konnten, da fühlte man sich wie in einem guten alten Film 😉
Die Nacht war kurz für uns, denn am nächsten Tag stand der Big Bend Nationalpark am Programm, der südlichste und zugleich auch am wenigsten besuchte NP, aufgrund seiner Abgelegenheit. Diese Abgelegenheit bekamen wir gleich morgens präsentiert, als 110 Meilen zu absolvieren waren, um überhaupt in den NP zu gelangen. Da dies ja Grenzgebiet ist und wir so intelligent waren und unsere Pässe im Hotel ließen, konnten wir nach rund 20 Minuten Fahrt wieder retour fahren um sie zu holen, nachdem Stefan einen netten Hrn. Alvarez von der US Borderpatrol gefragt hatte:)
Mehr oder weniger lange hatte es also dann gedauert bis wir dann wirklich im Big Bend ankamen und dort stand dann erstmal eine Dirtroad am Programm, also eine Schotterstraße, die wir auf 13km Länge passierten und zum Rio Grande fuhren, wo er inmitten von 2 Felskanten hervorkam. Den Rio Grande mag man vielleicht ein wenig anders erwarten, aber nennen wir es mal so, ein Bach mit ca. 20m Breite und 30-40cm Tiefe rinnt da durch. Das hat mehrere Gründe, zum einen kommt der Fluss aus Mexiko, wo er schon mal aufgestaut ist und zum anderen ist es in diesen Breiten so, dass es 2008 das letzte mal so richtig geregnet hat. Die Zwei Felskanten heißen übrigens Santa Elena Canyon und dies ist zugleich auch die Grenzen zwischen den USA und Mexiko. Big Bend bedeutet unter anderem auch die große Schleife und ist darauf zurückzuführen, dass der Rio Grande sich in etlichen Schleifen dahin mäandert. Wer mehr Infos über den Big Bend haben will kann hier weiter lesen

Im Big Bend selber wurde im frühen 20 Jahrhundert Baumwolle angepflanzt und auch die Wachspflanze geerntet, die den Grundstoff für Wachs enthält. Nachdem der Big Bend zum NP wurde, war dies Geschichte. Der restliche Park ist sehr abwechslungsreich und man kann ihn über viele Wanderwege und Bergtouren erkunden, die wir aber aus Zeitmangel nicht machen konnten. Wozu wir uns noch hinreisen ließen: wir lauschten Victor, dem mexikanischen Sänger, wie er uns Lieder vorsang um für sein Heimatdorf Werbung zu machen. Früher gab es mal einen Grenzübergang nach Mexiko, dieser wurde aber geschlossen und so singt Victor jeden Tag für die Besucher und hat auf der US Seite eine Plastikdose in der er sich über ein Trinkgeld freut. Auf der Fahrt durch den Park konnten wir auch den dort beheimateten Roadrunner live sehen, vielen vielleicht eher als Cartoon aus dem Fernsehen bekannt, aber ja, es gibt ihn wirklich. Es ist kurz gesagt ein Vogel, der unter anderem auch sehr schnell laufen kann, bis zu ca. 35 km/h. Den Abschluss im Park machten wir bei Hot Springs, eine 41 Grad heiße Quelle, die gleich neben dem Rio Grande entspringt. Interessant ist es, wenn die Wassertemperatur und die Lufttemperatur annähernd gleich waren, aber egal, wir ließen uns nicht aufhalten ein wärmendes Bad zu nehmen und dann in den Rio Grande zu hüpfen. Vermutlich überschritten wir da auch illegaler Weise die Grenze:)
Bekanntschaft mit der Polizei hatten wir aber trotzdem noch, als Ingrid die erlaubten 35 Meilen pro Std um ca 10 Meilen überschritt. Das Polizeiauto, das uns im Park entgegenkam, drehte ruckartig um und schaltete sogleich das Blaulicht an. Wir sind natürlich gleich rechts rangefahren, einer der beiden Polizisten stieg aus und forderte Pass und Fahrzeugpapiere, der andere behielt uns mit großer Aufmerksamkeit im Auge und nach 5 Minuten konnten wir mit einer Abmahnung weiterfahren.
Auf der Rückfahrt nach Alpine machten wir noch einen Stopp in der Geisterstadt Terlingua, jedoch wurden wir von jeder Menge Menschen überrascht, die sich bei Bier und gutem Essen den Sonnenuntergang ansahen. Auch wir fanden ein uriges lokal, in dem es tolle mexikanische Küche gab und Livemusik, die diesen Abend wohl unvergesslich machen ließ. Spät in der Nacht, aber wohlbehalten und mit Border Patrol Zwischenstopp kamen wir nach einem langen, langen Tag wieder in Alpine an.

Der nächste Morgen sollte uns nach Carlsbad führen, Carlsbad liegt nicht mehr in Texas, sondern schon in New Mexico und das bedeutete gleichsam für uns eine Stunde Zeitgewinn, da wir von der Central Timezone in die Mountain Timezone wechselten. Entlang durch abwechslungsreiches und auch hoch gelegenes Terrain passierten wir riesige Pecanbaum-Plantagen (Pecans sind Nüsse) und trafen auch auf eine Kunstinstallation Mitten im Nichts: einem Prada Store, welcher mit der 2005er Kollektion ausgestattet ist.
Der weitere Weg führte uns über eine endlos erscheinende Straße ohne Zivilisation die nächsten 200km entlang, bis wir die Guadelope Mountains erreichten und über eine Steigung ein weiteres Hochplateau erreichten, zu dem auch die Carlsbad Caverns gehören.
Was sind die Carslbad Caverns?
Das sind gigantische Tropfsteinhöhlen, die über ein 180 km langes unterirdisches Tunnelsystem verfügen und über Millionen von Jahren entstanden sind. Man fährt zuerst einen Canyon stetig bergauf, ehe man wieder ein Hochplateau erreicht, von dem man einen wunderbaren Ausblick hat. Oben angelangt empfängt einem das Besucherzentrum, in dem zugleich der Eingang ist. Es gibt 2 Möglichkeiten, die Gegend zu erkunden: auf dem Fußweg oder mit dem Lift, der einen von der Oberfläche 250m unter Tag bringt.
Es fällt schwer diese unglaublichen Dimensionen zu beschreiben, daher seht selbst auf den Bildern, auch wenn es nicht leicht ist, dies entsprechend zu vermitteln. Wir nutzten auf alle Fälle die km langen Wege durch die spektakuläre Höhlenwelt und sind heute noch davon fasziniert. Für diesen Nationalpark gibt es eine absolute Weiterempfehlung!

Viele liebe Grüße aus Oklahoma City,
Ingrid und Stefan







































Show Hide 2 Kommentare

Gerhard und Inge13. April 2012 - 07:38

Also die Dimensonen sind ein Wahnsinn – und die Bilder auch – Euch eine gute Heimreise – see you!!!!!

martina13. April 2012 - 07:49

………..supaaaaaaaaaa ich hoff ihr habt mir eine prada tasche mitgenommen :) – toll toller am tollsten

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