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Show me the way to Amarillo

Carlsbad verließen wir dann nach einem weiteren Besuch der Carlsbad Caverns in Richtung Nordwesten und passierten eine Hochebene, die immer mehr zur Bergregion wurde. Wie sich herausstellte, sollten wir schon bald durch ein Schigebiet durchfahren. Zuerst durchquerten wir aber ein wunderschönes Tal, welches sich bergauf schlängelte und uns mit seiner Ähnlichkeit sehr an unsere Heimat erinnerte, bis wir schließlich den höchsten Punkt unserer Etappe erreichten: 2642m über dem Meer befand sich Cloudcroft, ein kleines gemütliches Örtchen, in dem die Schilifte noch höher hinauf führten und wir konnten noch den letzten Schnee vom Winter entdecken. Die Abfahrt war dann wieder total konträr, wie eine lang gezogene Rampe ging es westwärts Richtung Alamogordo, welches wir nur am Rande passierten, da unser Ziel das White Sand Dunes Monument war, welches wir schon seit einigen Jahren versuchten zu erreichen, aber bisher nicht geschafft hatten. Kurz vor White Sands querten wir auch noch die Holloman Airforce Base, ein Luftwaffenstützpunkt und Raketentestgebiet. Unter anderem wurde hier auch die erste Atombombe getestet und auch heute noch wird 1-2-mal die Woche die durchgeführte Straße gesperrt wegen Raketentests. Wir hatten jedoch keine Verzögerungen, da wir am Ostersonntag unterwegs waren und schon bald an der Einfahrt zu den White Sands waren. Interessanterweise ist White Sands mitten in dem Luftwaffenstützpunkt eingelagert und man kann sich nur allzu gut vorstellen, welch fantastischer Anblick ein Kampfjetpilot haben muss, der hier landen und starten darf. Was sind die White Sands Dunes eigentlich? Das sind die größten weißen Sanddünen der Welt, die noch relativ jung (ca. 10.000 Jahre) und durch Kalkablagerungen der umgebenden Bergmassive vom Wind entstanden sind und sie verändern Tag täglich ihre Form und wandern immer weiter nordöstlich. Wir planten unseren Stopp so, dass wir den Sonnenuntergang hier erleben konnten und dies war nicht nur aus fotografischer Sicht eine gute Entscheidung – wir konnten hier die typisch amerikanische Sonntagsbeschäftigung beobachten. Viele Einheimische verbrachten hier den ganzen Tag und schleppten mir ihren Trucks alles an, was für einen Grilltag so notwendig ist – Zelte, Griller, Kühlboxen, Tische, Stühle, Schlitten, Snowboards, Surfbretter usw.

Das Gefühl war schon einzigartig: jede Menge weißer Sand, der einem vorkommt wie Schnee, viele Leute beim Grillen wie am Strand, Menschen die die Dünen mit den verschiedensten Sportgeräten herunterrasten, jedoch kein Meer in Sicht und auf der anderen Seite, je weiter man sich über die Dünen hinfort bewegte, diese Stille und unglaubliche Umgebung die auf uns einwirkte. Wir nutzten das natürlich um einerseits diesen besonderen Ort zu fotografieren, aber andererseits auch einfach diesen wunderschönen Moment zu genießen. Gerne wären wir länger geblieben, doch aufgrund der Schließung des Parks mussten wir uns auf die Socken machen und das war auch gut so, denn wir entschlossen uns doch noch ein Stück weit zu fahren, genauer gesagt bis nach El Paso. Die Fahrt in der Nacht verlief problemlos und flott, durch Vollmond und den gut ausgebauten Highway kamen wir zügig voran und hatten dabei noch eine schöne Ablenkung: wir konnten ein Gewitter bestaunen, welches sich weiter westlich erstreckte und die Blitze über die weite Entfernung einerseits wie Stecknadeln zu Boden gingen und zum anderen die Umgebung in leicht violettes Licht tauchte. Ziemlich erschöpft, aber glücklich erreichten wir noch El Paso, das wieder in Texas liegt und gleichzeitig die Grenzstadt zu Mexiko bildet.

El Paso sahen wir uns quasi im Eiltempo an, die Grenze bildet der bekannte Rio Grande, der hier aber keinen natürlichen Verlauf mehr hat, sondern einfach ein betonierter Kanal ist, der an beiden Seiten meterhohe Zäune aufweist. Einzig 4 große Brücken führen über den Rio Grande und ermöglichen Grenzübertritte in die Zwillingsstadt Juárez, von der wir aber Abstand hielten, zum einen soll es dort ziemlich ungemütlich sein wegen Kriminalität und die Rückreise in die USA ist beschwerlich. Die Grenzübergänge nach Mexiko sind locker zu passieren, doch auf der Gegenseite ließen sich Warteschlangen von mehreren hundert Metern erkennen. Mexikanisches Flair hatten wir dennoch: im Grenzgebiet haben viele Mexikaner, die es bis in die USA geschafft haben, ihre Existenz mit kleinen Läden aufgebaut, in denen man jeden erdenklichen „Schmarrn“ kaufen kann J aber auch die einen oder anderen interessanten Gegenstände. Wir kehrten El Paso recht zeitig wieder den Rücken und machten uns nordwärts auf den Weg und passierten hier Las Cruces, eine große Stadt, die uns schon auf der Hinfahrt in der Nacht durch ein Lichtermeer auffiel. Nördlich davon folgten weitere Städtenamen, bei den man sich nicht ganz klar war, wer wohl auf die Idee kam, das genauso zu benennen, wie z.B. Garfield, Salem oder noch besser „Truth or Consequences“ was so viel bedeutet, wie Wahrheit oder Pflicht J Am späten Nachmittag erreichten wir unser Tagesziel Albuquerque, welches schon kilometerweit zu erkennen war.

Albuquerque bestach durch das moderne Zentrum mit Hochhäusern und seinen mexikanischen Charme, der einem im historischen Stadtviertel gleich bewusst wurde. Die Bauweise der Gebäude und der alten Kirche und den vielen kleinen Geschäften lud zum Verweilen ein, doch da wir früh dran waren, hatte leider noch nicht alles geöffnet und wir brachen auf nach Osten, entlang der I-40, die durch eine Bergkette führte. Einen Abstecher auf den Sandia Peak, dieser Berg ist 3260m hoch, war dann eher ungeplanterweise noch drin. Während der Bergfahrt konnten wir auch das eher kleine Schigebiet sehen und auch noch die letzten Schneereste. Am Gipfel selbst hatten wir ein spektakuläres Panorama, westlich erstreckte sich Albuquerque (1600m) und am Horizont konnte man auch einen Vulkan erkennen. Danach ging es aber weiter Richtung Osten, entlang der I-40 bzw. auch teilweise entlang der wohl berühmtesten Straße Amerikas, der Route 66. Die Landschaft veränderte sich vom schroffen Felsmassiv in eine Hochebene, in der man vermutlich „2 Tage weit“ sehen kann und zudem relativ karg und dürr erschien. Nach 3h Autofahrt entschlossen wir uns kurzer Hand in Santa Rosa, mitten im Nirgendwo, ein bisschen Pause zu machen und im Ort wurden wir auf einen kleinen Wegweiser aufmerksam – Blue Hole 0,5mi. Zu unserer Überraschung kamen wir bei einem wirklich blauen Loch an. Es stellte sich heraus, dass dies eine 20m im Durchmesser und 60m tiefe Quelle ist, aus der in der Minute ca. 12.000 Liter 16 Grad warmes (oder auch kaltes) Wasser hervorsprudelt. Das Ganze war so konzipiert, dass rings um das Loch Felsen aufstanden und von südlicher Seite ein bequemer Treppeneinstieg war. Wir ließen uns das natürlich nicht nehmen und hatten eine willkommene Abkühlung! Nach dem Baden und dem Picknick ging es weiter ostwärts und die Landschaft veränderte sich immer mehr in Weideland und es dauerte auch nicht lange, bis wir die ersten Rinderherden vor den Toren Amarillos sehen konnten. Als wir gegen Abend in Amarillo eintrafen, nutzten wir auch noch die Gelegenheit, die Cadillac Ranch zu besichtigen, was nichts weiter ist, als eine Kunstinstallation bestehend aus 10 Cadillacs, die mit der Motorhaube in den Boden versenkt wurden und zwar im selben Winkel wie die Cheops Pyramide. Alles ist nahe der I-40 gelegen in einem frei zugänglichen Acker und jedermann ist eingeladen, künstlerisch mit zu wirken, dh. die Autos dürfen mit Graffiti besprüht werden – somit ist eines gewiss, die Lackierung ändert sich von Tag zu Tag.

Amarillo selbst ist durch den Rinderhandel bekannt und 1x wöchentlich findet hier immer eine große Viehauktion statt und man merkt auch, dass hier viele Rinderzüchter am Werke sind und die Stadt von extrem viel Weideland umgeben ist. Was vielleicht nicht so bekannt ist: in der Umgebung von Amarillo breitet sich der Palo Duro Canyon aus, welcher der zweitgrößte Canyon der USA nach dem Grand Canyon ist. Dieser lag auch auf unserer Reiseroute und wir verbrachten einen wunderschönen Tag am Talboden des Canyons mit einer ausgiebigen Wanderung und einem anschließendem Ausritt – dort fühlte man sich dann wirklich wie im Wilden Westen J

„The yellow rose of Texas“, wie Amarillo auch genannt wird, beherbergt auch ein weit über die Grenzen bekanntes Lokal, das „Big Texan“. Hier kann man gratis Steak essen, aber nur wenn man diesen 2kg-Fleischkoloss inkl. aller Beilagen innerhalb einer Stunde aufisst! Wir mussten hier natürlich vorbeischauen, aber entschieden uns dann doch, die normalen Steaks zu kosten, die auch wunderbar am Gaumen für Glückseligkeitsmomente sorgten.

Unsere nächste Tagesetappe führte uns immer weiter westwärts in den dritten Bundesstaat auf unserer Reise, nach Oklahoma. Wir passierten einige Indianerreservate z.B. die der Comanchen und der Cherokee und man merkte gleich: eine große Einnahmequelle sind hier wohl die Touristen, denn an jeder Ecke gibt es Handarbeitsgegenstände im indianischen Stil zu erwerben. Diese ehemaligen Indianerterritorien bestechen durch saftige grüne Wiesen und Wälder, vielen Flüssen und Ölförderpumpen. Oklahoma selbst ist der weltgrößte Umschlagplatz, was Rinder betrifft. Allein am westlichen Ende von Oklahoma City befindet sich deswegen Stockyard City, ein eigenes Viertel, in dem 2x pro Woche die größten Viehauktionen der USA stattfinden. Am Abend, als wir in Oklahoma ankamen, machten wir noch ein wenig Sightseeing vom Auto aus in Oklahoma City. Ähnlich wie in San Antonio gibt es einen River Walk, der den Fluss aufwertet und sehenswert ist auch das Bricktown, ein altes Stadviertel, in dem alle Häuser aus rotem Ziegelstein bestehen und von Bars, Restaurants und Hotels gesäumt ist. Nicht allzu weit entfernt ist auch ein Mahnmal, das an die verheerenden Bombenanschläge vor ziemlich genau 17 Jahren erinnern soll. Ansonsten hat Oklahoma City eine schöne Skyline, die durch das Devon Energy Center mit 256m Höhe besonders hervorsticht.

Unser letzter Tag führte uns dann wieder mach Süden – zurück nach Dallas bzw. Fort Worth. In Fort Worth besuchten wir am Abend noch „Billy Bob´s“ ein Lokal in den Stockyards, in dem Bullen Rodeo und Livemusik geboten wird. Bei einem letzten guten Essen und tollem Ambiente ließen wir hier mit etwas Wehmut die wunderbare Zeit ausklingen und traten nach unfallfreien 7.200 gefahrenen Kilometern und 620 Liter Benzinverbrauch die Heimreise an (und konnten wiedermal einem Tornado davonkommen).

Wir hoffen nun, euch ein wenig mit auf die Reise genommen zu haben und dass sie euch auch so gefallen hat wie uns.

Alles liebe

Ingrid und Stefan

 

















































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